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Seit der Reformation genießt Amsterdam den Ruf einer toleranten Stadt. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhundert hat sich dies auch auf das Gebiet der Drogen ausgeweitet. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist 'gedogen': Während der Anbau und der Handel in weichen, wie in harten Drogen weiterhin streng verfolgt wird, ist der private Drogenkonsum zwar auch strafbar, wird jedoch 'durch die Finger gesehen'. Man darf in Amsterdam high werden.
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre entstanden erste kleine
Verkaufsstellen in Diskos wie Paradiso und Melkweg. Der so genannte
'Hausdealer' garantierte, dass die Ware von guter Qualität war. Die
Kneipe 'Rusland' war der erste Coffeeshop, wo man nicht nur Kaffee, Tee
oder Bier bekam, sondern sich auch einen Joint drehen konnte. Die
Auswahl an Softdrugs war reichhaltiger, und man konnte sich in aller
Ruhe, unter dem Studium der Preisliste, von der Güte überzeugen.
Innerhalb von zehn Jahren hatte jedes Viertel seine eigenen, meist
unauffälligen Coffeeshops.
Eines allerdings stellte sein Licht nicht unter den Scheffel: Coffeeshop
'Bulldog' am Leidseplein.
Beschränkten sich die Coffeeshops von Anfang an nur auf Softdrugs wie Haschisch oder Marihuana, so spezialisierten sich die Smartshops der 90er Jahre auf psychoaktive Rauschmittel. Neben frischen Pilzen wurden hier auch getrocknete verkauft, sowie Sets für den Privatanbau. Auch hier wurde vom Personal über den Konsum informiert.
Zu den Smartshops gesellten sich zur selben Zeit auch immer mehr Growshops, in denen man Zubehör zur Aufzucht und zum Anbau von Marihuana erhielt, dem so genannten 'Nederwied'. War 'Nederwied' in den 70er Jahren noch eine Hobby-Pflanze, die man höchstens auf dem Balkon hegte und pflegte und die man in großen Mengen zu sich nehmen musste, um überhaupt eine Wirkung zu spüren, nahm die Eigenproduktion in den folgenden Jahrzehnten einen rasanten Aufschwung. Aus den Growshops wurden kleine Gartenbaubetriebe, in denen alles zu kaufen war, was die Pflanzen für ein angenehmes Leben brauchten. Immer öfter wurden Kellerräume oder besetzte Häuser zu Zuchtanlagen umfunktioniert. Der Strom für die vielen Wachstumslampen wurde einfach beim Nachbar abgezapft. Inzwischen ist Nederwied eine harte Softdrug mit hohem Wirkstoffgehalt.
Mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks entbrennt in der Öffentlichkeit die Diskussion, ob (Soft-)Drugs geduldet, verboten oder freigegeben werden sollen. Zumal in Amsterdam hat man sich immer für die Legalisierung von weichen Drogen ausgesprochen. Die Trennung von weichen und harten Drogen, so lautete das Argument, und die Tolerierungspolitik habe vielen die Kriminalisierung und den Kontakt mit dem Schwarzmarkt erspart. Gegenwärtig sind die Smartshops Gesprächsthema. Ungewiss ist, ob man sie verbieten wird. Vermutlich wird Amsterdam einen ganz eigenen Weg gehen, der sich von dem überregionalen unterscheidet.
Nun ist es ein Missverständnis, wenn man meint, der Amsterdamer sei schon beim Frühstück benebelt, schwinge sich mit einem Joint im Mundwinkel aufs Fahrrad, paffe bei der Arbeitsbesprechung mit seinem Chef lustig weiter und kiffe sich überhaupt durch den lieben langen Tag. Grund für die immer wieder aufflackernde Diskussion über die Toleranzpolitik ist vielmehr der etwas anarchistische Charakter der Amsterdamer: Sie lassen sich nicht gerne etwas vorschreiben und beziehen auch in der Drogenfrage eine klare Position.
Einige Anmerkungen zu diesem Themenkreis: - Beim Drogenkonsum ist weniger mehr, vor allem, wenn man nicht daran gewöhnt ist. - Vermeiden Sie es, Rauschmittel zu mixen. Akohol zusammen mit anderen Drogen kann schlimme Folgen haben. - Kaufen Sie nie Drogen auf der Straße, sondern immer in einem Coffee- oder Smartshop. - Jugendlichen unter achtzehn werden grundsätzlich keine Drogen verkauft.
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